Von 12 auf 70.000 Schüler*innen: Die App Camps Story kurz und knapp

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In diesem Artikel berichten wir, wie App Camps als kleine Organisation 70.000 junge Menschen pro Schuljahr erreicht. Und wir erklären, warum unsere Unterlagen kostenlos sind.

Der erste Schritt: App Summer Camp 2013

Der Anfang ist schnell erzählt: Im Sommer 2013 organisierten wir gemeinsam mit unserer Freundin Marie als Nebenprojekt in Hamburg ein Feriencamp für Schülerinnen. 12 Mädchen programmierten 4 Tage lang Apps und präsentierten die digitalen Produkte ihren Eltern und anderen Besuchern. Nach dem Event kamen immer mehr Anfragen – von Lehrkräften, Schulen, Vereinen, Eltern und Schülern. Weil wir die Veranstaltungen neben unseren normalen Jobs machten, fanden unsere Events vor allem außerhalb der Schule statt, z.B. am Wochenende oder in den Ferien.

Dabei merkten wir zwei Dinge:

  1. Wir erreichen nur wenige Kinder und Jugendliche.
  2. Wir erreichen nur wenige Mädchen und junge Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen.

Wir wollen aber allen jungen Menschen die Chance geben, digitale Kompetenzen zu lernen. Dazu mussten wir einen Ansatz finden, mit dem wir (1) eine große Reichweite haben und der (2) in der Schule stattfindet. Denn nur dann erreichen wir Kinder und Jugendliche aus allen Teilen der Gesellschaft.

App Camps Gruppenbild

Der nächste Schritt: Act for Impact 2014

Deshalb entwickelten wir ein Konzept, um die Offline-Inhalte digital zur Verfügung zu stellen. Die Idee war ziemlich genau das, was wir über unsere Online-Plattform heute machen: Lehrkräften erhalten Zugriff auf Unterrichtsmaterialien und Informationen zur Vorbereitung.

Mit dieser Idee gewannen wir den Act for Impact Wettbewerb 2014 und gründeten am 17. November 2014 die gemeinnützige Organisation App Camps. In unseren “normalen” Jobs reduzierten wir immer mehr, seit Mitte 2015 arbeiteten Philipp und Diana dann Vollzeit für App Camps.

Die Plattform: Digitale Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte

Wir entwickelten Unterrichtsmaterialien und eine Online-Plattform – zuerst kam der Kurs “App Entwicklung im Unterricht”, danach immer mehr Unterrichtsmaterialien zu digitalen Themen. Aktuell gibt es diese Kurse, wir arbeiten auch schon an neuen Kursen (z.B. Einführung in die Künstliche Intelligenz):

Programmierkurse App Camps

So konnten wir die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die wir mit unseren Unterrichtsmaterialien erreichen, jedes Jahr erhöhen:

Schuljahr 2015/16: 3.500 | Schuljahr 2016/17: 25.000 | Schuljahr 2017/18: 70.000

Kostenloses Unterrichtsmaterial

Der Zugang zu unserer Online-Plattform ist kostenlos. Lehrkräfte und andere Personen aus dem Bildungsbereich müssen sich einmalig dafür registrieren. Alle Personen, die Kindern und Jugendlichen digitale Themen vermitteln wollen, können unsere Online-Plattform verwenden. Der große Teil unserer Nutzer sind Lehrkräfte, es gibt aber auch viele Medienpädagogen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und andere Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Gemeinsam mit den App Camps Nutzern verbessern wir immer wieder die Unterrichtsmaterialien.

Bei uns finden Lehrkräfte neben den Unterrichtsmaterialien (Videos und Lernkarten) auch Inhalte zur Vorbereitung, Tipps zur Arbeit mit jungen Menschen und Listen mit typischen Fehlern. Wir können über einen Chat auf der Online-Plattform auch bei der Durchführung unterstützen. Es kommt zum Beispiel immer wieder vor, dass wir per Chat einem Lehrer im Klassenzimmer dabei helfen, Probleme zu lösen.

Für uns war von Anfang an klar, dass wir den Zugang zu unserer Online-Plattform nicht verkaufen wollen. Warum? Wir wollen allen Schülerinnen und Schülern Zugang zu Wissen über digitale Themen ermöglichen. Also müssen wir es Lehrkräften so einfach wie möglich machen, unsere Online-Plattform zu nutzen. Wir würden viel weniger Kinder und Jugendliche erreichen, wenn unser Angebot kostenpflichtig wäre.

Zusammenarbeit mit Partnern

Deshalb müssen wir unsere Arbeit anders finanzieren. Schon seit der Gründung arbeiten wir in verschiedenen Projekten mit unterschiedlichen Stiftungen und Unternehmen zusammen. Zum Beispiel:

  • Mit dem Gewinn des Act for Impact Wettbewerbs der Social Entrepreneurship Akademie 2014 war die Vodafone Stiftung unser erster Stiftungspartner.
  • Das Hamburger Unternehmen OTTO gehörte zu den ersten Unterstützern und ist seitdem regelmäßig bei Projekten wie unseren App Summer Camps oder dem Digital Summit dabei.
  • Seit dem unserem Gewinn der Impact Challenge 2016 unterstützt uns die Google Stiftung Google.org. So konnte zum Beispiel unser Mädchen Digital Club in der Zukunftswerkstatt Hamburg stattfinden.
  • Mit der Körber-Stiftung haben wir ein Pilotprojekt in Hamburg durchgeführt und 40 Lehrerinnen und Lehrer befähigt, den Calliope Mini in der Schule einzusetzen. Der Digital Summit 2018 – eine Konferenz für 180 Lehrkräfte aus ganz Deutschland – fand in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung statt. Die Veranstaltung wird 2019 mit 240 Lehrkräften stattfinden. 
  • Gemeinsam mit der Adobe Foundation konnten wir verschiedene Projekte durchführen, zum Beispiel zur Vermittlung von IT-Kenntnisse an geflüchtete Jugendliche in Hamburg.
  • Für die Initiative Meet & Code haben wir gemeinsam mit dem Haus des Stiftens und SAP ein Train the Trainer Programm entwickelt.
  • Mit Barclaycard haben wir in Hamburg Stadtteilschulen dabei unterstützt, digitale Grundkompetenzen an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. Im Schuljahr 2018/19 entwickeln und testen wir gemeinsam mit Barclaycard ein Programm für Abschlussklassen an Stadtteilschulen.
  • Das neueste Projekt führen wir gemeinsam mit der Vector Stiftung durch. Wir entwickeln für das Fach Informatik Kl. 7 in Baden-Württemberg Unterrichtsmaterialien.
  • Außerdem gibt es noch Stiftungen und Unternehmen, die uns bei kleineren Projekten unterstützt haben oder immer noch unterstützen: XING, Smaato, Jimdo, Joachim Herz Stiftung, Next Media Hamburg, Deutsches Kinderhilfswerk, Handelskammer Hamburg, und andere.

Wir sind unabhängig

Auf unsere unterschiedlichen Partner aus der Stiftungslandschaft, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen sind wir sehr stolz. Und vor allem sehr dankbar. Denn ohne sie wären wir heute nicht so weit wie wir sind. Trotzdem sind wir unabhängig: bei der Auswahl und Umsetzung der Inhalte oder der Events die wir organisieren. Welche Tools wir verwenden, welche Themen wir erarbeiten oder mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten, entscheiden wir. Mit diesem Selbstbewusstsein sind wir als kleine gemeinnützige Organisation bisher weit gekommen. Und in den nächsten Jahren wollen wir mit unserem tollen Team noch viel mehr junge Menschen erreichen.

App Camp Team

Scratch – App Camps Unterrichtsmaterialien für forschendes Lernen

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Christine ist Lehrerin an einer kleinen Privatschule in der Schweiz. Kürzlich schrieb sie uns im Chat: „Ein Zweitklässler arbeitet mit dem Lerntool zu Scratch, das funktioniert gut.“. Beim forschenden Lernen wollte der Schüler programmieren lernen und so kamen die Unterrichtsmaterialien von App Camps zum Einsatz. Wenn du mehr wissen willst, findest du hier ein tolles Interview mit Christine aus der Schweiz:

Wer bist du und welche Fächer unterrichtest du?

An der kleinen Privatschule in Winterthur (eine 1.-6. Klasse, insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler), an welcher ich unterrichte, findet jeweils mittwochs das „Forschende Lernen“ statt. Jedes Kind, das lesen und schreiben kann, wählt sich ein Thema aus, zu dem es forschen oder zu dem es etwas „tun“ möchte. Im Anschluss an die Bearbeitung präsentiert das Kind die Ergebnisse, beantwortet die Fragen seiner Schulkolleginnen und -kollegen und hört sich das Feedback an. Wir Lehrpersonen coachen die Kinder während des ganzen Prozesses. Immer wieder haben wir auch Schülerinnen und Schüler, welche im „Forschenden Lernen“ programmieren lernen möchten.

Unterrichtsmaterialien für forschendes Lernen

Beim forschenden Lernen geht es nicht um reine Wissensanhäufung. Vielmehr handelt es sich um einen ergebnisoffenen und dynamischen Prozess.

Wie bist du auf App Camps aufmerksam geworden?

Eine Kollegin hat mich auf App Camps hingewiesen.

Wie nutzt du die Unterlagen von App Camps?

Ich habe die Unterlagen zu Scratch ausgedruckt und einem 2. Klässler gegeben, welcher programmieren lernen wollte. Dank dieser Unterlagen lernt er gezielt die wichtigsten Programmiertools kennen.

Unterrichtsmaterialien für forschendes Lernen

Zweitklässler lernt Programmieren mit Unterlagen von App Camps.

Was gefällt dir als Lehrkraft beim Arbeiten mit den Materialien von App Camps besonders?

Weil die Schülerinnen und Schüler zu ganz unterschiedlichen Themen arbeiten, konnten wir einem Kind, das programmieren lernen wollte, bisher nur eine kurze Einführung und ab und zu einige Tipps geben. Dann musste es selber durch „try and error“ versuchen, sich im Scratch-Programm zurechtzufinden. Viele kamen dadurch zwar weit, aber sie verbrauchten viel Zeit und lernten einige Möglichkeiten, die das Programm bietet, nicht kennen. Besonders jüngere Kinder spielten mehr herum als dass sie wirklich Grundlegendes lernten, und wir Lehrpersonen waren immer ein bisschen frustriert, weil wir zu wenig Zeit hatten, ihnen zu helfen. Die Unterlagen von App Camps entdeckte ich nun kürzlich, als ein Zweitklässler eine hübsche Geschichte, die er erfunden und gezeichnet hatte, mit Scratch umsetzen wollte, dabei aber nicht vorwärts kam. Dank dem sorgfältigen Aufbau des Kurses und dem kindgerechten, motivierenden Aufbau kann er sich die Grundlagen von Scratch nun selber beibringen und hat seinen Spass daran.

Was gefällt den SchülerInnen an den Kursen?

Der Zweitklässler kann sehr gut selbstständig mit dem Kurs arbeiten. Die Anleitungen sind verständlich, er lernt viel dabei und die Aufgaben machen ihm Spass – so sehr, dass andere Schüler immer wieder schauen „müssen“, was er gerade programmiert, und unbedingt den Kurs selber machen möchten.

Unterrichtsmaterialien

Aktuelle Übersicht der Unterrichtsmaterialien von App Camps (Stand August 2018)

(Anmerkung der Redaktion: Eine Übersicht aller App Camps Unterrichtsmaterialien findest du hier.)

Gibt es etwas, das dich beim Arbeiten mit den Kursunterlagen überrascht hat?

Überrascht hat mich nichts, ich finde es aber toll, dass sie so sorgfältig aufgebaut und selbsterklärend sind.

Wirst du demnächst erneut einen App Camps-Kurs anbieten?

Ja, klar, sobald ein Schüler/eine Schülerin sich wieder entscheidet, programmieren zu lernen.

Stell dir vor du bist noch Schüler. Welchen Tipp oder Ratschlag würdest du dir dann geben?

Geh Schritt für Schritt vor, experimentiere aber auch und setze das Gelernte in einem eigenen Projekt um.

Vielen Dank, liebe Christine für das Interview. Wir wünschen dir und deinen Schülern weiterhin viel Spaß beim forschenden Lernen und  natürlich auch mit den Unterrichtsmaterialien von App Camps. 


Willst du auch im regulären Unterricht oder beim forschenden Lernen mit unseren Unterrichtsmaterialien arbeiten?

Hier findest du unsere Themen im Überblick: https://appcamps.de/unterrichtsmaterial/

Erfahrungsbericht: Webseiten entwickeln mit Unterrichtsmaterial von App Camps

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Paula ist Lehrerin für Mathe, Informatik und Technik. Sie unterrichtet an einem MINT-Spezialgymnasium in Sachsen-Anhalt (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). In ihrem Unterricht nutzt sie ab Klasse 7 Unterrichtsmaterialien von App Camps . Aktuell entwickelt sie mit ihren Schülern Webseiten im Unterricht.  Das hat uns neugierig gemacht und wir haben nachgefragt:

Wer bist du und welche Fächer unterrichtest du?

Mein Name ist Paula Zimmermann und ich unterrichte die Fächer Mathematik, Informatik und Technik. Meine Schule befindet sich in der Landeshauptstadt Magdeburg. Es handelt sich um ein MINT-Spezialgymnasium mit circa 600 Schülern.

Die Besonderheiten bei uns sind, dass wir zur „normalen Stundentafel“ noch mehrere Spitzenförderungsangebote im MINT-Bereich haben. Informatikunterricht startet bei uns in Klasse 7 und wir beginnen bereits in der 8. Klasse (bis Klasse 12) mit der Programmiersprache Delphi/Pascal.

Weitere Besonderheiten bezüglich Programmiereinstiege:

  • Klasse 5/6 Technik: Roboterprogrammierung durch Blockprogrammierung (Scratch basiert)
  • Klasse 8 Informatik AG: HTML/ CSS/ PHP
  • Klasse 9/10: Roboterprogrammierung durch C++ (Arduino)

Diese führten zu unseren Erfolgen im Bereich des Robocups Rescue Maze (bspw. Weltmeister 2016, Weltmeister 2017).

Webseiten im Unterricht

Das MINT-Spezialgymnasium aus Sachsen-Anhalt gewinnt beim Robocup

Wie bist du auf App Camps aufmerksam geworden?

Ich habe in diesem Schuljahr die HTML/PHP-AG übernommen. Deshalb habe ich online nach Möglichkeiten gesucht, die einen schülerzentrierten Unterricht ermöglichen. Dabei bin ich in einer wilden Suchaktion eher zufällig auf App Camps gestoßen und davon nicht mehr losgekommen. 😉

Wie nutzt du die Unterlagen von App Camps?

Ich nutze App Camps als Grundlage für meine AG-Gruppe in den Klassenstufen 7 und 8.

Aktuell nutzte ich ausschließlich den HTML/CSS-Kurs. Da wir unsere Homepage selbst gestalten sowie administrieren und dort vieles auf PHP basiert, unterrichte ich jetzt im zweiten Halbjahr PHP, um neue Schülerfachgehilfen auf die Aufgaben vorzubereiten.

Webseiten im Unterricht

Schüler gestalten und administrieren die Website des MINT-Gymnasiums: siemens.md.st.schule.de (Stand April 2018)

Was gefällt dir als Lehrkraft beim Arbeiten mit den Materialien von App Camps besonders?

Mir gefällt vor allem, dass die Schüler damit sehr gut zurecht kommen und ich somit viel Zeit für die einzelnen Probleme und Erweiterungswünsche habe. Außerdem merkt man, dass sie einfach Spaß haben und die Materialien Zuhause weiter bearbeiten. Mein Ziel als Lehrerin ist es vor allem Interessen zu entwickeln und zu fördern. Das schaffe ich mit dieser Art der Unterrichtsgestaltung eher, als mit frontalen Lehrervorträgen und festen Aufgaben nach Schema X. Die Schüler können die Aufgaben eigenständig erweitern, da ich die ganze Zeit verfügbar bin und mich um einzelne Anliegen und Ideen kümmern kann. Außerdem lernen sie durch die digitale Form, dass nicht der Lehrer der Antwortgeber Nummer Eins sein muss, sondern sie das Material in erster Linie und notfalls noch den Webbrowser nutzen können.

Was gefällt den SchülerInnen an den Kursen?

Das sie ortsungebunden sind. Wenn man krank oder verhindert ist, kann man die Aufgaben bequem Zuhause erledigen oder nachholen. Sie können auf ihre Dateien von überall zugreifen und selbst bei der Oma oder den Verwandten mit ihren tollen Webseiten „angeben“.

Webseiten im Unterricht

Schüler der Informatik AG beim Programmieren.

Gibt es etwas, das dich beim Arbeiten mit den Kursunterlagen überrascht hat?

Die Einfachheit. Das Unkomplizierte. Keine Kosten. Einfach im Sinne der Bildung und Weiterentwicklung unseres Landes. Das finde ich verblüffend, überraschend, grandios, perfekt.

Wirst du demnächst erneut einen App Camps-Kurs anbieten?

Natürlich! Für die 10. Klasse werde ich mir für die Einführung zu Datenbanken euer Material ansehen. Informatik Klasse 7 bekommt nach Notenschluss noch Input zum Thema Datenschutz/ Datensicherheit.

Vielen Dank, liebe Paula für das Interview. Wir wünschen dir und deinen Schülern weiterhin viel Spaß mit den Unterrichtsmaterialien von App Camps. 


Willst du auch im regulären Unterricht oder in einer AG mit unseren Unterrichtsmaterialien arbeiten?

Hier findest du unsere Themen im Überblick: https://appcamps.de/unterrichtsmaterial/

Wie man als Schüler programmieren lernen kann

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Felix ist Informatiker. Er hat bereits verschiedene Preise gewonnen, nimmt an Informatik Wettbewerben teil, engagiert sich in Open Source Projekten und als Coach bei Coding Initiativen. Das Besondere: Felix ist Schüler und 16 Jahre alt. Das macht uns natürlich neugierig. Deshalb haben wir nachgefragt und es entstand ein tolles Interview, wie man als Schüler programmieren lernen kann.

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Felix Wu, ich bin 16 Jahre alt und gehe in die elfte Klasse der Internatsschule Schloss Hansenberg im Rheingau. In meiner Freizeit mache ich viel Sport, verbringe Zeit mit Freunden und tue Dinge die mit Informatik und Computern zu tun haben. Dazu gehört Programmieren genauso wie das Erlernen der Theorie. Ich beherrsche mittlerweile mehrere Programmiersprachen und nehme regelmäßig an (inter)nationalen Wettbewerben teil. Außerdem bin ich als Tutor und Mentor auf Programmiermeetups und Events unterwegs. In letzter Zeit habe ich angefangen, Präsentationen auf Meetups zu halten, und bin auch ziemlich aktiv in der Open Source Szene. Das bedeutet, ich schreibe an Projekten mit, deren Code öffentlich zugänglich ist.

als Schüler programmieren lernen Github Projekte

„Mein Github Profil – Ganz oben das erwähnte Open-Source Projekt 30secondsofcode, welches ich mitgegründet habe.“ – Felix

Wie hast du Programmieren gelernt?

Programmieren bringe ich mir größtenteils selber bei. Das war ganz am Anfang so, und das ist auch jetzt noch so, wenn ich neue Technologien erforsche. Angefangen habe ich damals mit 14 mit dem Buch “Programmieren lernen mit Java”, geschrieben von Hans-Peter Habelitz im Rheinwerk Verlag. Echt gutes Buch, kann ich nur weiterempfehlen.

Was gefällt dir so gut am Programmieren?

Die Fähigkeit, dem Computer genau sagen zu können, was man von ihm will, fasziniert mich. Es ist immer ein unglaubliches Erfolgserlebnis, zu sehen, wie der eigene Code funktioniert. Es ist also zum Einen der Spaßfaktor, zum Anderen die Möglichkeit, sich vieles im Leben zu erleichtern, zu automatisieren – und das nicht alleine, sondern mit vielen anderen Programmierern zusammen.

als Schüler programmieren lernen Beispiel Code

„So sieht es aus, wenn ich code. Abgebildet ist ein ReactJS Projekt, also eine dynamische Webseite.“ – Felix

Was war dein erstes Programm, das du geschrieben hast? Und auf welches Programm bist du besonders stolz?

Als allererstes natürlich “Hello World” 😉 Das erste richtige Programm war dann glaube ich ein simpler Rechner auf der Kommandozeile (Zahl 1 eingeben, Operator auswählen, Zahl 2 eingeben -> Ergebnis). Wirklich stolz bin ich noch auf gar nichts, da ich noch ganz am Anfang meiner Karriere stehe und daher nichts wirklich “krass” ist. Zumindest was meine eigenen Projekte angeht. Was Open-Source angeht, bin ich stolz auf 30-seconds-of-code, eine Kollektion von nützlichen JavaScript Code-Schnipseln, die auf unserer Webseite sichtbar sowie als Bibliothek importierbar sind. Mit 19.000 Github-Sternen generierte dieses Projekt zu “Hochzeiten” 10.000 Aufrufe pro Woche 😀

Welche Unterlagen oder Bücher empfiehlst du, um programmieren zu lernen?

Wer stark in Englisch ist, dem würde ich Online-Kurse empfehlen – sogenannte MOOCs, bekannte Anbieter sind da edX, Coursera und Udacity. Udacity verteilt übrigens auch Stipendien für ihre Premium-1000€-Kurse, die aber verdammt gut sind. Udemy ist auch sehr empfehlenswert, die 10/20€ sind es nämlich absolut wert. Auch sehr gut ist codecademy – die Oberfläche sieht super aus und ist einfach zu bedienen, und man lernt schnell und praxisnah. Meine persönliche Empfehlung für den ersten Einstieg ins Programmieren wäre trotzdem der Griff zu den Printmedien. Da kann man sich bei bekannten Büchern der Qualität des Inhalts sicher sein. Für Java hat mich wie bereits erwähnt “Programmieren lernen mit Java” überzeugt, “Java ist auch eine Insel” ist ein Klassiker (Beides vom Rheinwerk Verlag).
Für kurze Crash-Courses zu speziellen Themen, Sprachen etc. greife ich öfters zu Youtube, doch für ein ganzes Tutorial würde ich Youtube wirklich nicht empfehlen.

Dein Tipp: welche Programmiersprache ist am besten geeignet für den Einstieg in die Programmierung?

Python oder Java. Auf keinen Fall Javascript, auch wenn dies sehr verlockend erscheint und viele Jüngere, die ohne gedruckte Literatur ins Programmieren einsteigen, sich mit Youtube-Tutorials JavaScript beibringen – JavaScipt macht einfach viel zu viele anfangs unverständliche, seltsame Dinge.

Welche Events, Initiativen, Angebote kannst du Schülerinnen und Schülern empfehlen, die sich für das Thema Programmieren lernen interessieren?

Empfehlenswert sind Meetups, da gibt es quasi in jeder Stadt regelmäßig Treffen zu verschiedenen Technik-Themen oder Programmiersprachen. Schüler aus größeren Städten können den CCC(Chaos Computer Club) oder das CoderDojo aufsuchen, speziell in Deutschland gibt es auch noch die OK Labs. Man kann auch einfach mal nach Hackathons in seiner Gegend suchen, da gibt es eigentlich überall welche. Hackathons sind Coding-Veranstaltungen, bei welchen man in meistens 24/48h mit einem Team ein Projekt durchprogrammiert.

als Schüler programmieren lernen

Felix besucht regelmäßig verschiedene Talks und Hackathons. Hier zu sehen: Ein Talk in Frankfurt.

In welchen Initiativen engagierst du dich zur Zeit?

Ich bin Mentor beim CoderDojo in Wiesbaden sowie beim RGSoC, einem internationalen Wettbewerb für weibliche Studenten, bei welchem es um das Beitragen zu Open-Source Projekten geht. Ich halte seit Kürzerem Talks auf Meetups, bisher im Kreis Frankfurt/Wiesbaden und fungiere hin und wieder als Coach auf Events und Hackathons.

Was sind deine Pläne für die die Zeit nach der Schule?

Entweder ein Jahr mit Praktika oder direkt das Informatikstudium – wahrscheinlich in Cambridge, Zürich oder München.

 

Vielen Dank, lieber Felix für das Interview. Wir wünschen dir weiterhin viel Spaß beim Programmieren. 


Willst du auch in einer AG oder im regulären Unterricht programmieren lernen oder vermitteln? Dann kannst du mit unseren Unterrichtsmaterialien arbeiten.

Hier findest du unsere Themen im Überblick: https://appcamps.de/unterrichtsmaterial/

 

 

App Workshop in Südafrika

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Im Januar 2018 wurden wir an die Saint Mary’s School in Johannesburg eingeladen. Geplant waren eine Lehrerfortbildung für Lehrkräfte der Junior High School und der High School und ein Workshop für Schülerinnen. Zwölf Lehrerinnen und Lehrer nahmen am Teacher Training teil und hatten großen Spaß mit dem App Inventor. Das war mit Sicherheit nicht der letzte App Inventor Einsatz dieser Lehrkräfte!

Lehrergruppe

Am nächsten Tag ging es weiter mit einer Gruppe von zwölf Schülerinnen. An Tag 1 haben sie den App Inventor kennengelernt und erste eigene Apps entwickelt. Natürlich ging es erst mal los mit der berühmten Katzen App. Danach wurde es kreativ: Aus der Katze wurden Einhörner oder kleine Monster. Und einige ganz schnelle Schülerinnen haben sogar eine Wahrheitskugel App programmiert. Wow!

Schuelergruppe

Am nächsten Tag ging es dann mit einem Shuttle in das Google Büro in Johannesburg. Dort wurden wir mit Notizblock und Post-its empfangen. Es drehte sich alles um eigene App Ideen. Diese wurden vorgestellt und als Prototyp auf Papier umgesetzt. Großartige Ideen waren dabei: Von Lernapps bis hin zu Apps, um den Menschen in Kapstadt beim Wassersparen zu helfen. Aktuell herrscht dort ja die größte Wasserkrise der letzten Jahrzehnte. Die Papierprototypen wurden präsentiert und es wurde viel gefragt und viel gelacht.

Ideenvorstellung

Viel zu schnell ging der Workshop zu Ende! Die Begeisterung bleibt aber und es war mit Sicherheit nicht der letzte App Workshop an der Saint Mary’s School!

Danke für die Einladung und die großartigen Tage!

 

Gastbeitrag: App Camps Lehrerfortbildung für Schüler

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Im Dezember 2017 hat Philipp im Rahmen einer Projektgruppe an einem Gymnasium in Stuttgart eine App Camps Lehrerfortbildung für Schüler durchgeführt. Thema war App Entwicklung im Unterricht. In diesem Gastbeitrag lest ihr die Erfahrungen eines Schülers:

Die App Camps Lehrerfortbildung für Schüler

Heute war Philipp von App Camps bei uns an der Schule und hat uns im Rahmen eines Workshops das Programmieren beigebracht. Diesen Einstieg in das Programmieren gestaltete er in Form eines Unterrichts, wie er ihn Lehrern normalerweise auf Fortbildungen näher bringt. Dadurch waren wir in der Lage, das Prinzip des Unterrichtmodells von App Camps zu verstehen und haben gleichzeitig selbst etwas zum Thema „programmieren“ dazugelernt. Im folgenden erkläre ich den Ablauf einer solchen Unterrichtsstunde, damit du dir ein Bild von dieser Art von Unterricht machen kannst.

Die Unterrichtsstunde beginnt damit, dass die Klasse in einem „Stand-Up Meeting“ – ein Stehkreis vor der Tafel – die Ziele der Unterrichtsstunde gemeinsam bespricht. Das „Stand-Up Meeting“ ist ein Prinzip aus der Programmierwelt, nach dem sich die Entwickler jeden Morgen kurz im Stehen treffen und sich über den Stand ihrer Arbeit an einem gemeinsamen Projekt austauschen.

Nachdem in diesem Stand-Up Meeting das Ziel der Unterrichtsstunde mittels eines Videos gezeigt wird, begeben sich Gruppen von jeweils zwei Schülern gemeinsam an einen PC, um das Vorgegebene zu programmieren. Das Prinzip, dass immer zwei Schüler gemeinsam an einem PC arbeiten, stammt ebenfalls aus der Programmierwelt. Mittels dieses Prinzips ist es möglich, dass die eine Person den Text eintippt und die andere sich auf das Korrekturlesen des Getippten konzentrieren kann. So entstehen weniger Fehler und die Arbeit kann deutlich effizienter vonstatten gehen.Schüler programmieren Apps

Damit die Schüler das Ziel der Stunde erreichen können und die Aufgabe nicht zu schwer ist, wird das Gesamtziel in mehrere Zwischenziele aufgeteilt. Dadurch sind die Schritte verständlicher und das Lernen effektiver. Die Lösung für jedes Zwischenziel ist auf einer Lösungskarte festgehalten. Diese Lösungskarten liegen im Raum und können von den Schülern dann geholt werden, wenn man es für nötig hält, wodurch jeder in seinem Tempo arbeiten kann.

Am Ende der Schulstunde trifft sich die Klasse dann nochmals in einem Stand-Up Meeting vor der Tafel. In dieser Runde stellt dann jeder seinen Fortschritt vor und erklärt kurz, wo er noch Probleme hat oder inwieweit er die Lösung schon weiter entwickelt hat.

Reflektion

Durch den Workshop habe ich einen Einblick in die Welt der Digitalisierung bekommen. Dank App Camps bin ich nun in der Lage, selbst einfache Apps für Handys und Tablets zu programmieren.

Das Prinzip, mit dem der Unterricht gestaltet war, überzeugte mich und ist meiner Meinung nach eine sehr gute Methode, die Themen der Digitalisierung den Schülern näher zu bringen. Da jeder Schüler dadurch in seinem eigenen Tempo lernen kann und durch eine gute „Schritt-für-Schritt-Anleitung“ abgesichert ist, nimmt jeder am Ende der Schulstunde ein Erfolgserlebnis mit aus dem Unterricht mit und entwickelt eventuell sogar ein weiterführendes Interesse für die Themen der Digitalisierung.

Autor: Bananenkanone
Dieser Artikel wurde bereits auf dem Blog des Autors veröffentlicht.

Informatik AG in der Schule: Mit Unterrichtsmaterial von App Camps

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Fynn ist Schüler und hat sich für den Digital Summit in Hamburg angemeldet. Das überraschende daran: Der Digital Summit ist eine Veranstaltung für Lehrkräfte. Das hat uns neugierig gemacht und wir haben nachgefragt. Es hat sich herausgestellt: Fynn bietet eine Informatik AG in der Schule an – als Schüler! Das finden wir super. Wenn du mehr wissen willst, findest du hier ein tolles Interview mit Fynn:

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Fynn, 15 Jahre alt und ein Nachwuchsprogrammierer. Ich lebe auf der nördlichsten deutschen Insel, Sylt. Nach meinem Unterricht in der Oberstufe beschäftige ich mich am liebsten mit Programmieren und Lesen. Frische Luft hole ich mir beim Angeln in der Nordsee.

Meine ersten Schritte im Programmieren habe ich mit 13 mit Anleitung von YouTube-Tutorials gemacht. Als meine Mutter mir dann den Link zur Hacker-School in Hamburg schickte, war ich anfangs skeptisch. Danach wusste ich: „Das will ich machen.“ Im Herbst beim Schnupperstudium an der CAU Kiel dachte ich dann: „Eigentlich möchte ich gleich weiter studieren.“ Inzwischen habe ich verschiedene Programmiersprachen ausprobiert.

Du hast uns geschrieben, dass du eine eigene Informatik AG in der Schule organisierst. Wie ist es dazu gekommen?

Nach dem Schnupperstudium habe ich nach Gleichgesinnten gesucht. Da es hier nichts entsprechendes gab, war klar: „Ich will meine Begeisterung mit anderen teilen“ und gründete eine Informatik-AG.

An wen richtet sich die AG und wie läuft die AG typischerweise ab?

An alle Schüler, die Spaß am gemeinsamen Programmieren und Entwickeln haben. Wir treffen uns jeden Donnerstag 2 Stunden im Computerraum der Schule. Entweder bearbeiten wir App Camps Unterlagen oder wir arbeiten an eigenen Ideen.
Für mich ist es dabei eine neue Erfahrung, auch mal der Lehrer zu sein…

Mit welchen App Camps Unterlagen hast du bisher gearbeitet und hast du bereits die Verwendung von weiteren App Camps Kursen in Planung?

Angefangen haben wir mit dem Kurs zu HTML und CSS, da ich auf diesem Gebiet schon Erfahrung gesammelt habe. Um allen einen Einstieg in die Programmierung zu geben, wollen wir in Zukunft den Kurs zum Thema Scratch behandeln und dann mit dem Kurs zur App-Programmierung fortzufahren.

Aktuelle Kursübersicht von App Camps (Stand Januar 2018)

(Anmerkung der Redaktion: Eine Übersicht aller App Camps Unterrichtsmaterialien findest du hier.)

Gibt es andere Unterlagen, die du verwendest und empfehlen kannst?

Die App Camps Unterlagen sind sehr zu empfehlen um einen Einstieg in die einzelnen Themen zu bekommen.
Wer sich jedoch spezifischer mit den Themen auseinander setzen will, kann auf Unterlagen im Internet oder „analoge“ Quellen (Bücher) zugreifen. Mir persönlich gefallen Bücher am besten.

Fynn, 15 Jahre alt, Nachwuchsprogrammierer

Hast du einen Tipps für andere Schüler/innen, die ebenfalls Lust haben, eine Informatik AG in der Schule anzubieten?

Auf jedenfall die Initiative ergreifen und nicht aufgeben! Es ist vorprogrammiert, dass auch mal etwas schiefgeht und man sollte es auf keinen Fall zu „schulisch“ gestalten.

Vielen Dank, lieber Fynn für das Interview. Wir wünschen dir und deiner AG weiterhin viel Spaß mit den App Camps Unterlagen. 


Willst du auch in einer AG oder im regulären Unterricht mit unseren Unterrichtsmaterialien arbeiten?

Hier findest du unsere Themen im Überblick: https://appcamps.de/unterrichtsmaterial/