Richtig Pause machen – Achtsamkeit in der Schule

Viele Lehrkräfte fühlen sich vom Schulalltag erschöpft und ausgelaugt. Zu viele Anforderungen, die sie am besten zeitgleich erfüllen sollen. Auch immer mehr Schülerinnen und Schüler sind überfordert durch Leistungsdruck, Projektarbeiten und Hausaufgaben. Häufig kommt noch ein intensiver Medienkonsum dazu, der es ihnen erschwert, abzuschalten und richtig zu entspannen.

Daher hält das Thema Achtsamkeit Einzug in viele Schulen. Entweder durch kleine Yoga- oder Meditationseinheiten, durch Entspannungsspiele oder einfach bewusstes Atmen. Alle lernen dabei, wie sie sich entspannen können, ihren Stress wahrzunehmen und in ihren Körper hineinzuhorchen. Je früher SchülerInnen darin geübt sind, desto leichter fällt es ihnen.

Tim Kantereit, ein Ausbilder von Lehrkräften aus Bremen, hat kürzlich im #Twitterlehrerzimmer nach Tipps und Strategien zum Thema „Achtsamkeit und Schule“ gefragt und viele tolle Anregungen von anderen Lehrkräften erhalten.

Die Gustav-Falke-Grundschule hat zum Beispiel die MeTA-Zeit als festen Bestandteil des Stundenplans eingeführt und bringt so Meditation, Training und Achtsamkeit in den Schulalltag. Die SchülerInnen können täglich Übungen aus diesen 3 Kategorien anhand von Aktionskarten wählen und ausführen. Durch die MeTAzeit gehen die Kinder nachweislich besser mit Stress und negativen Emotionen um. Sie fühlen sich insgesamt fitter und wohler, können ihre „mentalen Ressourcen“ besser nutzen und pflegen sogar ihre Freundschaften besser.

Wir zeigen euch in diesem Artikel spannende Unterrichtsunterlagen zum Thema Achtsamkeit, Meditation und Co. und empfehlen euch einige Methoden, die ihr mit euren SchülerInnen ausprobieren könnt.

Eine eigene Yoga App programmieren

Wie wäre es, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Yoga App programmieren? Die App gibt verschiedene Figuren vor, die nachgeturnt werden können. Genau das ist die Idee unserer Unterrichtsunterlagen. Gearbeitet wird per Vorlage mit dem MIT App Inventor. Die SchülerInnen tauchen zunächst in die Welt der Yoga Asanas ein, um ihre eigenen App-Inhalte zu produzieren. Das heißt, sie erstellen Fotos oder Zeichnungen der verschiedenen Positionen sowie Sprachdateien als Anleitung. Im Anschluss werden die angefertigten Materialien in die App eingefügt und getestet. Zuletzt haben die SchülerInnen die Möglichkeit, die App zu erweitern oder zu optimieren. So entsteht eine selbst programmierte App, mit der die SchülerInnen allein oder mit der ganzen Klasse Yoga machen können.

Unsere Yoga App-Unterlagen verbinden nahtlos Spiel und Spaß mit dem Lernprozess und unterrichten nicht nur in puncto Achtsamkeit und innerem Wohlbefinden. Sie geben auch einen angenehmen Einstieg in die Informatik mit. Die Unterrichtseinheit ist aufgebaut wie unsere anderen Materialien auch. Sie beginnt mit einem kurzen Startvideo, gefolgt von selbständigem Arbeiten mit Lernkarten und endet mit einem ExpertInnenvideo. Alle Informationen findet ihr ausführlich noch einmal in diesem Blogbeitrag.

Auf Traumreise mit Scratch

Falls Yoga euch nicht zusagt, haben wir noch eine ganz großartige Alternative! Was wäre, wenn ihr mit der eigenen Klasse eine kleine Traumreise in Scratch programmiert? Denn Traumreisen haben einen tollen Effekt auf Körper und Geist und führen zu einer tiefen Entspannung. Sie schaffen gute Laune und lassen unsere Ängste kleiner werden. Kurzum macht eine Traumreise gelassener, sie unterstützt beim Stressabbau und steigert obendrein unsere Konzentration.

In unserer Unterrichtseinheit stellen die SchülerInnen mithilfe der von uns bereitgestellten Materialien eine erste, provisorische Traumreise zusammen. Es folgt eine kleine Auszeit vom Programmieren, in welcher die Schülerinnen und Schüler nun tatsächlich ihre eigene Traumreise konzeptualisieren und schreiben. Danach werden eigene Tonaufnahmen angefertigt, selbst ausgewählte Bilder eingefügt und schon steht die ganze eigene Traumreise bereit, die man mit den MitschülerInnen durchführen kann! Hier findet ihr noch unseren ausführlichen Blogartikel zu unseren Traumreise-Materialien.

Und abgesehen von App Camps?

Auch viele andere Organisationen und AutorInnen haben erkannt, wie wichtig das Thema Achtsamkeit im Unterricht ist und  bieten Materialien und Übungen an. Unter dem Tweet von Tim Kantereit wurden fleißig Erfahrungen und Ideen gesammelt. Im Folgenden möchten wir euch einige davon sehr gerne weiterempfehlen.

schlafende Schülerin

Lehrer Online: Entspannung und Achtsamkeit

Lehrer Online hat eine ganze Unterrichtseinheit zum Thema Entspannung und Achtsamkeit in der Schule konzipiert. Hierbei bieten sie nicht nur Entspannungsübungen an, sondern die SchülerInnen lernen was Stress und Spannung bedeutet. Außerdem könnt ihr mit dem Materialien euren Schülerinnen und Schülern einerseits Techniken für die ganz persönliche Entspannung vermitteln, andererseits gibt es aber auch Ideen für die gesamte Klasse. Die Unterrichtseinheit von Lehrer Online eignet sich sowohl für den Präsenz- als auch den Online-Unterricht.

Wir finden es besonders toll, dass die Materialien mit Weitblick konzipiert wurden. Mit der Einheit lernen die SchülerInnen den Fokus wiederzufinden und auch inwiefern Bewegung und Hobbys, wie Handarbeiten oder Gartenarbeit Entspannung und Achtsamkeit bedeuten können. Das Material ist fächerübergreifend und sowohl für die Primarstufe, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und auch für die Berufliche Bildung einsetzbar.

Außerdem hat Lehrer Online nicht nur Materialien für die SchülerInnen und den Unterricht. Zusätzlich gibt es verschiedene Übungen, bei denen die Lehrkräfte im Fokus stehen. Denn, wie ihr wahrscheinlich bestätigen könnt, sind LeherInnen Allrounder. Dies kann natürlich zu großem Stress und Druck führen. Die Materialien von Lehrer Online sind hier sehr umfangreich. Das Themenspektrum reicht von Vorbeugung von Stress über Depression und Burnout, bis hin zu Unterricht in Pandemiezeiten und Kommunikation mit SchülerInnen und Eltern. An dieser Stelle trifft Lehrer Online sicherlich einen Nerv, denn die Schülerinnen und Schüler können noch so ausgeglichen sein, mit einer gestressten Lehrkraft macht der Unterricht auf beiden Seiten keinen Spaß. Liebe Lehrerinnen und Lehrer, auch ihr dürft mal durchatmen!

Zugriff auf die Materialien erhaltet ihr mit einer kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft.

HOPP-Foundation: Aktionskarten

Auch die Hopp-Foundation hat sich einiges zum Thema Achtsamkeit überlegt und geht noch darüber hinaus. Kostenlos bieten sie Aktionskarten für die Schule zum Download an. Es geht bei diesem Angebot nicht nur um Achtsamkeit. Mit Hilfe der Karten vermittelt ihr euren SchülerInnen zusätzlich mehr über Kommunikation, Fokus, Wir-Gefühl, Energie und Kreativität. In diese sechs Kategorien sind die Karten eingeteilt. Alle Übungen sind vielseitig einsetzbar und auch hier funktioniert vieles sowohl Online als auch in Präsenz.

Neben der sehr niedlichen Illustration ist alles sehr einfach gehalten und genau erklärt. Besonders toll ist, dass es zu den einzelnen Übungen eine ungefähre Zeitangabe gibt. So könnt ihr genau einschätzen, ob sich die jeweilige Karte gut als Einstieg in den Unterricht eignet, oder ob ihr dafür eine ganze Unterrichtsstunde einplanen müsst.

Auch das Material der Hopp-Foundation ist fächerübergreifend gestaltet und für die Primarstufe, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II einsetzbar.

Bücher

Buchempfehlungen zu Achtsamkeit im Unterricht

Natürlich gibt es auch viele Bücher, die sich mit dem Thema Entspannung und Achtsamkeit in der Schule befassen und wertvolle Materialien und Tipps liefern. Unter dem Tweet gab es dazu einige Empfehlungen. Drei möchten wir an euch weitergeben.

Zunächst gibt es ein kostenlosen Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). „Achtsamkeit und Anerkennung“ ist ein sehr umfangreiches Werk, in dem es neben Materialien zu Achtsamkeit auch vieles zum Thema Sozialkompetenz zu finden gibt. Das Buch könnt ihr als PDF kostenlos downloaden oder ein kostenloses Print-Exemplar anfordern. Es ist geeignet für die Klassenstufen fünf bis neun.

Einen etwas anderen Fokus setzt Kevin Hawkins in „Achtsame Lehrer – Achtsame Schule„. In seinem Buch geht es vorrangig um Achtsamkeit für Lehrkräfte. Das heißt, er beschreibt zum großen Teil, wie man als LehrerIn Achtsamkeit erlernt und dies dann an die Schülerinnen und Schüler und an die Schule weitergibt.

Als letztes möchten wir euch „Achtsamkeit in der Schule“ von Vera Kaltwasser ans Herz legen. Bei diesem Buch handelt es sich um das erste zum Thema Achtsamkeit im pädagogischen Kontext und um ein eher wissenschaftliches Werk. Die Autorin bezieht sich hier stark auf die SchülerInnen und erläutert wie sie z.B. lernen ihre Emotionen zu kontrollieren und aufmerksam zu sein. Dabei zieht sie Erkenntnisse aus der Psychologie und Hirnforschung heran. Das Buch bietet die Grundlage für zwei weitere Werke von Vera Kaltwasser, welche die gleiche Thematik behandeln.

Weitere Methoden für Achtsamkeit im Unterricht

Es gibt noch viele weitere verschiedene Mittel und Wege, um Achtsamkeit in den Unterricht zu integrieren. Ihr könnt natürlich auch miteinander Yoga machen oder eine Traumreise durchführen, ohne eine Anwendungen zu programmieren. Dafür findet ihr sicher viele Anregungen im Netz. Wir möchten euch im Folgenden noch ein zwei weitere Methoden für achtsamen Unterricht vorstellen.

Gruppenmeditation

Ein guter Startpunkt für Achtsamkeit im Unterricht ist die wohl bekannteste aller Praktiken: Die Meditation. Sie lässt sich gut als Einstieg oder Pause mit nur wenigen Minuten durchführen. Anregungen für den Unterricht bieten viele Meditationsvideos auf YouTube oder die Übungen von WakeUpSchools, mit denen Lehrkräfte bereite achtsame Pausen gestaltet haben. Einige Meditations-Apps, wie 7Mind, bieten auch kostenlose Meditationen speziell für SchülerInnen und Lehrkräfte an.

Meditieren ist allerdings eine Kunst für sich und fällt am Anfang oft schwer. Am besten beginnt ihr mit nur ganz kurzen Einheiten und geführten Meditationen mit Konzentration auf Atem oder Körperteile. Wenn ihr das regelmäßig mit euren SchülerInnen übt, könnt ihr die Dauer allmählich verlängern.

Kind meditiert
Konzentrationsübung Farben erkennen

Farben erkennen

Die Methode „Farben erkennen“ lässt sich problemlos in den Unterricht integrieren. Sie steigert nicht nur die Konzentration, sondern ermöglicht auch stärker im Einklang mit der eigenen Umgebung zu stehen, indem man dieser mehr Aufmerksamkeit spendet. Die Vorgehensweise ist wie folgt:

Zunächst sollen die Schülerinnen und Schüler sich für eine Minute auf ihre Umgebung, in den meisten Fällen wäre das wohl der Klassenraum, konzentrieren. Ziel ist es darauf zu achten, welche Farben sie im gesamten Raum sehen können. Wie sie sich die Farben merken, ist dabei einem jeden Schüler und einer jeden Schülerin selbst überlassen. Sie können sie sich aufschreiben, oder einfach nur im Kopf zu merken. Ist die Zeit um, können alle ihre Erfahrungen und Farben im Klassenraum teilen.

Diese Übung hilft SchülerInnen sich zu fokussieren. Sie trainieren zwischendurch den Kopf frei zu machen und können sich danach, vielleicht mit neuen Blickwinkeln, auf den Unterricht konzentrieren.