Coding und Informatik in der Schule: Ein Podcast Interview

In der heutigen digitalen Welt sind Kenntnisse zum Thema Coding und Informatik für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen wichtig! Doch wie erreicht man alle, z.B. auch aus bildungsfernen Schichten oder gezielt Schülerinnen? Mit dieser Frage waren die App Camps Gründerin Diana Knodel und Michael Vollmann, Leiter des Bereichs gesellschaftliches Engagement bei Amazon Deutschland und der Initiative Amazon Future Engineer, bei dem Podcast ZEIT für Bildung zu Gast. Dort diskutieren sie, wie man möglichst viele Schülerinnen und Schüler für Informatik begeistert, warum es dafür mehr Informatik Lehrkräfte braucht und welche Rolle v.a. auch weibliche Vorbilder spielen. Ihr lest hier einen Auszug. Den gesamten Podcast gibt es hier zum Nachhören.

Diana: Viele haben ein bestimmtes Bild im Kopf und stellen sich vor, dass Coding und Informatik Bereiche sind, die eher für Jungs oder für Männer geeignet sind. Aber Frauen können das genauso gut. Warum gehen dennoch weniger Frauen in den Bereich? Da gibt es zwar viel Forschung zu, aber es gibt nicht den einen Grund. Was wir bei unserer Arbeit aber feststellen: Je jünger die Schülerinnen sind, desto mehr Mädchen werden erreicht. In den älteren Klassen, wo Informatik auch kein Pflichtfach ist, sind es wieder vermehrt Jungs, die das Fach wählen. Da spielt bestimmt die Pubertät eine wichtige Rolle. Die Mädchen möchten besonders weiblich sein und wählen vielleicht eher Sprachen und nicht Informatik oder Physik.

Michael: Ich glaube, Rollenvorbilder sind ganz wichtig und sie fehlen einfach oft. Darum ist es so großartig, dass es davon immer mehr gibt.

Diana: Wenn es weibliche Informatik Lehrkräfte gibt, ist es oft so, dass mehr Mädchen den Kurs wählen und sich das eher zutrauen. Daher sind Vorbilder und Rollenmodelle in dem Bereich sehr wichtig. Ich habe selbst Informatik beziehungsweise Medien-Informatik studiert und hatte tatsächlich kein Informatik in der Schule.

Diana: Ich habe mich aber sehr stark für das Internet interessiert und die Möglichkeiten, darüber zu kommunizieren. Erst während des Studiums habe ich gemerkt, was für tolle Möglichkeiten man hat, wenn man programmieren kann. Man kann so einfach und unkompliziert digitale Produkte entwickeln und auch ganze Unternehmen mit einem digitalen Produkt gründen. Und genau darum ist es so schade, dass viele Mädchen keine Möglichkeit haben, das Programmieren in der Schule kennen zu lernen. Es ist sicherlich hilfreich, wenn alle bereits im jungen Alter die Chance bekommen, Coding und Informatik einmal auszuprobieren. Dann kann jede und jeder für sich entscheiden, weiterzumachen oder nicht. Das war auch einer der Gründe, warum wir App Camps gegründet haben.

Michael: Zunächst brauchen wir vor allem viel mehr Informatik Lehrkräfte oder welche mit tollen Zusatzqualifikationen. Es gibt Studien, die sagen, wenn wir flächendeckend Informatikunterricht anbieten wollen an allen Schulen, dann bräuchte es um die 30.000 Informatik LehrerInnen. Heute haben wir nur 6.000 davon. Das heißt, es gibt einen sehr großen Mangel. Und ich glaube auch, es braucht inspirierende Beispiele, die zeigen, dass es gar nicht so schwer ist, Coding und Informatik als Instrument im Unterricht einzusetzen.

Diana: Genau deswegen wollen wir mit unseren Angeboten in die Schulen. Da gehen alle Kinder hin. Daher ist unser Ansatz bei App Camps immer, dass wir alle Angebote für die Schulen aufbereiten. Seit wir App Camps 2013 gestartet haben, hat sich auch ganz viel getan. In vielen Bundesländern gibt es jetzt vermehrt Informatik als Pflichtfach, zumindest in einzelnen Jahrgangsstufen.

Michael: Aus dem Grund haben wir die Initiative Amazon Future Engineer auch gegründet. Das Projekt ist eine philanthropische Initiative, die sich zum Ziel gemacht hat, Kinder und Jugendliche, vor allem aus sozial benachteiligten und herausfordernden Hintergründen, mit Coding und Informatik in Kontakt zu bringen. Sie bietet den SchülerInnen die Chance, zu erkunden, ob sie auf Informatik Lust haben und sie dann evtl. in einem beruflichen Werdegang zu unterstützen.

Das Programm hat drei Säulen. Es soll neben den SchülerInnen auch Lehrkräfte und Studierende ansprechen. Dafür haben wir verschiedenste Angebote, wie Workshops, Fortbildungen und Stipendien. Außerdem ist die Initiative vor allem ein Förderprogramm. Wir arbeiten mit verschiedenen gemeinnützigen Partnerorganisationen zusammen, wie der ReDI School, den jungen Tüftler*innen, App Camps und dem Stiftverband. Dadurch hoffen wir, den Einstieg in die Informatik zu erleichtern und von der Kindheit zum Beruf es einfacher machen, mit IT in Berührung zu kommen.

Michael: Ein Angebot machen wir aber auch selbst. Das sind virtuelle Besuchertouren in unseren Logistikzentren. Das haben wir vor Corona schon für die Allgemeinheit angeboten. Für das Amazon Future Engineer Programm haben wir das ganze sozusagen gehackt. Wir bieten die Touren an einem Tag der Woche speziell für Schulklassen an. Der Inhalt dreht sich vor allem darum, wie Informatik, KI, Robotik, aber auch Sensorik, Algorithmen und maschinelles Lernen in der Logistik heute schon eingesetzt werden. Da kommen die SchülerInnen mit echten Anwendungsfällen in Berührung und sehen Menschen, die mit beispielsweise Robotern zusammenarbeiten, live und in Persona.

Darauf aufbauend gibt es außerdem ein kleines Coding Game, wo die Schüler und Schülerinnen quasi die Roboter, die sie bei der Tour schon live gesehen habe, auch selbst programmieren können. Das ist die Cyber Robotics Challenge. Das sind die Angebote, die wir selbst machen. Ansonsten versuchen wir immer über gemeinnützige Partner und über kreative Wege die SchülerInnen zu erreichen.

Class Chats Logo vor Hintergrund

Diana: Die Zusammenarbeit zwischen Amazon Future Engineer und App Camps ist noch recht jung, aber wir haben schon ganz viel geplant. Zum einen haben wir – passend zum Thema Vorbilder – ein gemeinsames Programm gestartet, das Class Chats heißt. Das gibt es mit der Unterstützung von Amazon bereits in anderen Ländern. Die Idee ist, dass sich Schulklassen anmelden können und sich eine Person aus der Tech-Branche für ca. 30 Minuten virtuell ins Klassenzimmer holen. Die Person berichtet von ihrem Werdegang und die Klasse kann dazu Fragen stellen. Da haben die SchülerInnen ganz konkret die Möglichkeit, in den Austausch zu treten, Fragen zu stellen und vielleicht auch zu sehen: „Hey, das ist eine Frau, die ist den Weg gegangen und das scheint ihr ganz gut zu gefallen. Vielleicht möchte ich das auch mal machen“.

Michael: Genau darum geht es. Um die Vorbilder, die eben oft fehlen, aber gar nicht so sehr um die Vermittlung von technischem Know-How, sondern wirklich um Biografien. Das sind oft Einblicke, die die SchülerInnen mehr motivieren als z.B. ein reiner Coding Workshop.

Diana: Teilweise ist es für viele Kinder oder Jugendliche auch sehr interessant zu sehen, was sie überhaupt für Möglichkeiten haben. Es gibt Ausbildungen und es gibt das Studium, sowohl an der Fachhochschule als auch an der Universität. Wenn die SchülerInnen dieses Wissen zu beruflichen Perspektiven von Zuhause nicht mitbekommen, dann ist es sehr hilfreich, da Einblicke zu bekommen, etwas mehr zu erfahren und wirklich aus der Praxis zu hören.

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