Die App TextMentor fördert die Schreibkompetenz von Schüler:innen

TextMentor ist ein schönes Beispiel, wie Lehrkräfte mit KI arbeiten und daraus sogar ein eigenes Produkt entwickeln. Die Lehrkräfte Sajawal Butt und Burcu Kocayel, beide an der Stadtteilschule Mümmelmannsberg in Hamburg beschäftigt, haben aus ihren eigenen Unterrichtsanforderungen heraus, die App TextMentor entwickelt.

Die App korrigiert Texte in Echtzeit, gibt Schüler:innen individuelles Feedback und kann fächerübergreifend und zusätzlich zum Unterricht eingesetzt werden. Das Tolle daran:  Schüler:innen können in der aktuellen Anwendung ihre handschriftlichen Texte hochladen, eintippen oder als Audio einsprechen. Die erste Anwendung ist im App Store erhältlich und wird an einigen Schulen bereits im Unterricht erprobt.

Im Interview erklärt Sajawal, wie sie auf die Idee gekommen sind, wie das Feedback der Schüler:innen ausfällt und wie ihnen die App konkret im Unterricht hilft.

Wie seid ihr auf die Idee zu TextMentor gekommen?

Die Idee entstand zunächst tatsächlich aus meiner persönlichen Faszination gegenüber der KI, den Chancen und Herausforderungen, die es mit sich bringt, und dem Grundgedanken, Bildung mit der KI zu vernetzen und effizient in den schulischen Alltag zu integrieren.

Als Deutsch- und Chemielehrer erlebe ich täglich, dass viele Schülerinnen und Schüler nicht am fehlenden Potenzial scheitern, sondern daran, dass sie bei Aufgabenstellungen nicht wissen, wie sie beginnen sollen oder keine individuelle Unterstützung erhalten, gerade beim Überarbeiten eigener Schreibprodukte.

Während des Unterrichts kann man nicht immer jedem Kind gleichzeitig helfen. Nach dem Unterricht stehen viele Schülerinnen und Schüler zudem ohne direkte Unterstützung da. Genau hier setzt TextMentor an: Die App soll Lernende dabei unterstützen, Texte mithilfe der KI in Echtzeit zu überarbeiten, sensiblen Unterricht mit der KI zu fördern und individuelles Lernen zu ermöglichen.

Der Unterschied zu vielen anderen KI-Anwendungen liegt darin, dass TextMentor aus einer schulischen Perspektive entwickelt wurde. Ziel ist nicht, fertige Antworten zu liefern, sondern Schülerinnen und Schüler beim Lernen und Verstehen zu begleiten, aber auch Lehrkräfte zu entlasten.

Besonders positiv wird wahrgenommen, dass die App sofort Rückmeldungen gibt und individuelle Unterstützung ermöglicht. Viele Schülerinnen und Schüler arbeiten motivierter, weil sie direkt Hilfe erhalten, wenn sie nicht weiterkommen.

In welchen Klassenstufen und wie genau setzt ihr die App im Schulalltag ein?

Aktuell wird TextMentor vor allem in den Klassenstufen 5 bis 10 getestet. Grundsätzlich ist die Anwendung aber auch für ältere Schülerinnen und Schüler geeignet sowie für Lernende mit Deutsch als Zweitsprache.

Beispiele aus dem Unterricht:

  • Schülerinnen und Schüler nutzen TextMentor, um ihre handgeschriebene Texte zu überarbeiten.
  • Beim Schreiben von Texten erhalten sie Hinweise zu Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck.
  • Die Diktatfunktion ermöglicht es, Hörverstehen sowie Rechtschreibung eigenständig zu trainieren.

Besonders positiv wird wahrgenommen, dass die App sofort Rückmeldungen gibt und individuelle Unterstützung ermöglicht. Viele Schüler:innen arbeiten motivierter, weil sie direkt Hilfe erhalten, wenn sie nicht weiterkommen.

App TextMentor für iPads und iPhones
App TextMentor mit Funktionsbeschreibung

Welche KI-Komponenten nutzt ihr konkret? Wie stellt ihr sicher, dass die App zu euren Schüler:innen passt?

TextMentor nutzt moderne KI-Technologien zur Sprachverarbeitung und Texterklärung. Die Antworten werden durch speziell entwickelte Prompts und didaktische Vorgaben gesteuert. Da die App für den schulischen Einsatz entwickelt wird, werden Erklärungen bewusst einfach, altersgerecht und schülerorientiert formuliert. Darüber hinaus erfolgt eine kontinuierliche Überprüfung der Inhalte anhand von Rückmeldungen aus dem Unterricht.

Als Lehrkraft teste ich viele Funktionen selbst und prüfe, ob die Erklärungen für die jeweilige Altersgruppe verständlich und sinnvoll sind.

Wie gewährleistet ihr Datenschutz und DSGVO-Compliance im Schulkontext – welche Daten speichert ihr, wo und wie lange?

Datenschutz hat bei TextMentor einen hohen Stellenwert. Bei der Entwicklung wird darauf geachtet, nur die Daten zu erheben, die für die Nutzung der Anwendung notwendig sind. Personenbezogene Daten werden in der jetzigen Version nicht gespeichert. Darüber hinaus werden die geltenden Datenschutzbestimmungen und die Anforderungen der DSGVO berücksichtigt. Da sich die App aktuell in der Weiterentwicklung befindet, werden Datenschutz und Datensicherheit kontinuierlich überprüft und angepasst.

App Mentor nimmt Sprachaufnahmen auf
App TextMentor mit verschiedenen Schiwerigkeitsstufen

Wie habt ihr es geschafft, aus der Schule heraus diese App zu entwickeln? Welche (finanzielle) Unterstützung hattet ihr?

TextMentor entstand tatsächlich aus dem Grundgedanken, KI effizient und methodisch-didaktisch sinnvoll in den schulischen Alltag zu bringen, indem Lehrkräfte entlastet werden, Schüler:innen individuelle Unterstützung erhalten und ein sinnvoller Umgang mit digitalen Tools gefördert wird. Über die Zeit entwickelte sich daraus ein konkretes Projekt, weil der Bedarf im Schulalltag immer deutlicher wurde: Schüler:innen greifen auf KI-Modelle zurück, benutzen es privat, für die schulische Vorbereitung oder eben für viele andere Zwecke, vergleichbare Tools sind eben nicht auf die Schule ausgerichtet oder sehen die Herausforderungen nicht, mit denen wir Lehrkräfte uns täglich auseinandersetzen.

Die Entwicklung erfolgte schrittweise neben dem regulären Schulbetrieb in Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Frau Kocayel und dem Team von Zeise Digital. Dabei wurden viele Ideen direkt aus dem Unterricht aufgegriffen und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern getestet.

Die Finanzierung erfolgte bislang aus Eigeninitiative und durch projektbezogene Unterstützung. Dabei wurden wir durch die Schulleitung aktiv bei der Umsetzung unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind. Aktuell suchen wir weitere Partner und Fördermöglichkeiten, um die App weiter auszubauen.

TextMentor lebt von der Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Schüler:innen, die Schule aktiv mitgestalten möchten. Aktuell suchen wir weitere Partner und Fördermöglichkeiten, um die App auszubauen.

Welche Pläne habt ihr für die App? Gibt es weitere Ausbaustufen?

Ja, die Weiterentwicklung ist ein zentraler Bestandteil des Projekts.

Geplant sind unter anderem:

  • Erweiterung der Lern- und Übungsangebote
  • Ausbau der Sprach- und Hörfunktionen
  • Unterstützung weiterer Fächer
  • Individuelle Lernpfade
  • Verbesserte Feedback- und Analysefunktionen
  • Weitere KI-gestützte Hilfen für das selbstständige Lernen

Langfristig soll TextMentor Schüler:innen als persönlicher Lernbegleiter zur Seite stehen.

Feedbackfunktion der App TextMentor

Wie könnten euch andere Lehrkräfte unterstützen?

Wir freuen uns über Lehrkräfte, die TextMentor ausprobieren und uns ehrliches Feedback geben.

Besonders hilfreich sind:

  • Rückmeldungen aus der Unterrichtspraxis
  • Ideen für neue Funktionen
  • Hinweise zu didaktischen Anforderungen
  • Teilnahme an Pilotprojekten
  • Austausch über Chancen und Herausforderungen von KI im Unterricht

TextMentor lebt von der Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Schüler:innen, die Schule aktiv mitgestalten möchten.

Herzlichen Dank für das Interview, lieber Sajawal!

Die App Textmentor findet ihr derzeit kostenfrei für iPads und iPhones im App Store. Alle Infos zur App gibt es auf der dazugehörigen Website oder auf Instagram.

Wenn ihr Feedback zur App an das Team habt oder Partnerschule werden wollt, dann schreibt gerne an: info@textmentor.de

Portrait Anne Looks

Anne Looks ist studierte Medienwissenschaftlerin und hat lange in der Verlagsbranche gearbeitet. Ihre Leidenschaft ist digitale Produktentwicklung und New Learning. Bei App Camps entwickelt sie Unterrichtsmaterialien, veranstaltet Webinare und hin und wieder schreibt sie etwas, meistens für @app_camps auf Instagram.