Technovation Girls Germany

Teresa Haberland ist die Leiterin der Initiative “Technovation Girls Germany”, dem weltweit größten Tech-entrepreneurship Programm für Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren mit 23.000 Mädchen aus mehr als 100+ Ländern und 7.900 MentorInnen.

Sie sagt: “Die Teilnehmerinnen gewinnen digitale und unternehmerische Kompetenzen dazu. Sie ändern ihre Perspektive und werden von passiven Nutzerinnen zu aktiven Gestalterinnen. Dabei entsteht ein viel größeres Interesse an Informatik und an Unternehmensführung.”

Ein spannendes Statement! Wir wollten mehr erfahren und hatten das Glück, ein Interview mit ihr zu führen. Die Inhalte sind besonders interessant für Lehrkräfte, denn das Programm läuft in Kooperation mit Schulen. 

Liebe Teresa,

vielen Dank, dass wir dir einige Fragen zum Programm “Technovation Girls Germany” stellen können. 

Über die Initiative

  1. Wie würdest du in deinen Worten beschreiben, worum es bei Technovation Girls geht?

Technovation Girls Germany unterstützt Mädchen dabei, eigene Apps zu programmieren. Wir wollen, dass Mädchen nicht nur Nutzerinnen, sondern auch Gestalterinnen der Gesellschaft sowie Technik und Medienwelt werden. Sie sollen lernen, soziologische und ökologische Herausforderungen mit Hilfe informatischer Kenntnisse zu meistern. 

Die Mädchen nehmen in der App Entwicklung eine aktive Rolle ein. Uns ist wichtig, dass ihre eigenen Interessen einfließen und sie selbständig mit Spaß bei der Sache sind.  

Innerhalb unseres Programms kooperieren wir mit allen verschiedenen Schulformen (Haupt-, Real-, Gesamt-, Stadtteilschulen, Gymnasien, Berufsschulen). MentorInnen aus unterschiedlichen Unternehmen begleiten die Mädchen in dem Zeitraum. 

Wir haben zwei Hauptstandorte (in München und in Hamburg) und einen kleinen „Prototyp“ in Flensburg an einer Berufsschule. Die Teilnehmerinnen sind zwischen 10 du 18 Jahren alt.

Motivation 

 2. Warum hältst du es für relevant, dass gerade Mädchen gefördert werden?

Oft sind Mädchen passive Nutzerinnen von Social Media & Co., dabei sollten sie lieber mehr mitgestalten. Eine gleichberechtigte Teilhabe an der digitalen Welt und generell an gesellschaftlichen Prozessen ist wichtig. Momentan sind es weniger als  ⅓ weibliche Studierende in den IT-Studiengängen: Das soll sich ändern und deshalb wollen wir digitale Kompetenzen fördern.

Im November und Dezember 2019 gab es die “Kickoffs” für das Programm. Die Themen, die die Mädchen bewegten, reichten von persönlichen Herausforderungen, wie Schulstress, Mobbing und digitaler Spam/Werbung bis zu gesellschaftspolitischen Problemen wie Klimawandel oder Rassismus. 

Bei der eigenen App Entwicklung können die Schülerinnen auf ihre persönlichen Interessengebiete eingehen. So haben einige Mädchen beispielsweise eine App zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung erstellt. 

3. Wie bist du selbst zum Thema “Digitalisierung” gekommen?

Ich bin über Umwege da gelandet, wo ich jetzt bin. Bereits in der Schule wurde mir von meiner damaligen Lehrerin angeboten, meine Abschluss-Seminararbeit in dem Fach Informatik zu machen. 

Obwohl ich damals tatsächlich schon Interesse daran hatte, traute ich mich letztendlich nicht, da ich das einzige Mädchen gewesen wäre. Also sagte ich ab und wählte stattdessen den “typischeren” Weg für Mädchen. 

2004 beendete ich die Schule mit dem Abitur und studierte anschließend im Bachelor Sozialwissenschaften und im Master dann Innovationsmanagement und Strategie. 

Mit dem Thema Zukunftsforschung befasste ich mich innerhalb verschiedener Praktika. 

Ich schrieb meine Masterarbeit über die Entwicklung von Clean Tech Startups in Brasilien.

Das Interesse war also schon zu Schulzeiten da, aber es brauchte zunächst einige Zeit, bis ich mich der Informatik und dem Thema Digitalisierung wieder annäherte. Nach meinem Studium ging ich also immer weiter in die Richtung Innovation und beschäftigte mich mit Gründung und Zukunftstrends. 

Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen liegt es mir am Herzen, Mädchen einen besseren Zugang zur Informatik in unserer digitalen Welt zu ermöglichen. Deshalb leite ich die Initiative Technovation Girls  Germany.

Programminhalte

4. Was lernen die Mädchen im Rahmen des Programms?

Die Mädchen lernen den Umgang mit Technik und Programmieren. Dass sie dabei Spaß haben, ist uns sehr wichtig. Sie lernen, mit Selbstzweifeln umzugehen und diese abzubauen. Wir haben einen “Schutzraum” im Programm, sodass ein regelmäßiger Austausch untereinander stattfindet. Außerdem unterstützen ausgebildete MentorInnen die Gruppen.

Es ist essentiell, dass die Schülerinnen lernen, technische Fragen zu stellen und selbstverantwortlich an ihren Projekten zu arbeiten. Sie sollen experimentieren und kreativ sein. Oft stehen sie auch vor großen Herausforderungen. Dazu brauchen sie Durchhaltevermögen , wenn der Code nicht funktioniert oder sich “Error”-Meldungen wiederholen. 

Außerdem lernen sie, ihre eigene Idee bestmöglich zu präsentieren. 

Mit Technovation Girls Germany erlernen die Mädchen spielerisch technische und unternehmerische Kompetenzen – und sie ändern ihre Perspektive: Die Mehrzahl der Teilnehmerinnen hat ein größeres Interesse an Informatik (78 %), Unternehmertum (70 %) und Unternehmensführung (67 %).

Aber nicht nur die Mädchen sondern auch die Schulen profitieren. Sie erhalten kostenfreie Lernmaterialien zur Ideen-, Projekt- und App-Entwicklung sowie thematisch passende Kontakte zu Netzwerken und zu Unternehmen.

Technovation Girls Germany Mädchen in Projektarbeit Projekte in Teams zum Thema Programmieren Plakate
Technovation Girls Germany Mädchen in Projektarbeit Projekte in Teams zum Thema Programmieren
Technovation Girls Germany Plakat Upcycling Recycling Projektarbeit
Technovation Girls Germany Dialog Arbeit in Teams
Technovtion Girls Germany Dialog Mädchen Programmieren in Partnerarbeit
Technovation Girls Germany Abschluss-Event
technovation girls dialoge mädchen arbeiten in teams an laptops

Programmablauf

5. Wie läuft das Programm genau ab? 

Das Programm findet in Kooperation mit Schulen statt und dauert in der Regel 12 Wochen. Lehrkräfte bestimmen den Rahmen schulintern (z.B. integriert in den Ganztag oder als AG am Nachmittag). 

Die Schulen können sich zum späten Sommer hin bewerben für die Teilnahme an dem Programm. Dieses startet dann immer im Herbst.

Technovation Girls stellt kostenlose Lehrmaterialien online zur Verfügung. 

Dabei ist Technovation Girls Germany eine Mischung aus selbst verantworteter Projektarbeit und individueller Begleitung. Ein Online-Kursplan stellt in wöchentlichen Abschnitten Inspiration, Arbeitsmaterialien und Videos bereit. Die Teams durchlaufen in mindestens zwölf Wochen den Prozess von der Ideenfindung bis zur Entwicklung des fertigen App Prototypen. Während der Projektzeit werden die Mädchen von MentorInnen mit fachlichem Know-how  unterstützt und durch regelmäßige Treffen begleitet. Diese kommen zum Beispiel von Unternehmen wie Adobe oder Salesforce. 

Die Lehrkräfte schaffen die Rahmenbedingungen für die Projektteilnahme .

Normalerweise schreiben wir im späten Sommer aus und die Schulen melden sich im Herbst bei uns für das Programm direkt an.

Ende der Projektphase gibt es in Deutschland ein großes Abschlussevent.

Darüber hinaus können die Teams auch an einem internationalen App Wettbewerb teilnehmen. Im letzten Jahr trafen sich die besten Teams zum World pitch event im Silicon Valley, dieses Jahr wird der World Summit am renommierten Mass. Inst. Of Tech. (MIT) in Boston im August stattfinden.

Zukunftsvision

6. Was habt ihr noch geplant?

Technovation Girls Germany will noch mehr Mädchen ermutigen, mit dem Online Kursplan zu arbeiten:  Auch im Alleingang und losgelöst von den Schulen.  

Wir glauben daran, dass Mädchen alles erreichen können! Technovation Girls unterstützt weltweit schon Mädchen aus mehr als 100 Ländern dabei, mit Hilfe von eigenen Apps Antworten auf soziale und ökologische Herausforderungen ihrer Lebenswelt zu finden. 

Noch bis zum 30. März 2020 können Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren sich auf hier registrieren und unterstützt durch das Technovation Girls Curriculum eigene Ideen und Apps entwickeln. Das ist das Richtige für alle Mädchen, die Lust haben, Ideen zur Lösung sozialer und ökologischer Herausforderungen in ihrem Umfeld zu entwickeln! 

Viel Erfolg weiterhin für Technovation Girls Germany und vielen Dank an Teresa Haberland!

Technovation Girls Germany Mädchen in Projektarbeit Projekte in Teams zum Thema Programmieren