Class Chats für Tage der Berufsorientierung

Seit mehreren Jahren veranstalten wir für alle Schülerinnen und Schüler sogenannte Class Chats. Das sind 45 minütige Live-Gespräche im Klassenzimmer – meist per Videokonferenz – mit Expert:innen aus der Digitalwirtschaft. Damit wollen wir Schüler:innen Werdegänge und Karrierewege von Menschen in technischen Berufsfeldern aufzeigen. Über 13.000 Schülerinnen und Schüler (Stand: Februar 2026) haben bereits an unserem Class Chat Programm teilgenommen.

In diesem Artikel berichten zwei Lehrkräfte, wie sie die Class Chats für Tage der Berufsorientierung an ihrer Schule eingesetzt haben: Adriana Larisch, Lehrerin an der Friedrich-August-Genth-Schule, Wächtersbach und Robert Steffens, Immanuel Kantschule Falkensee.

Wenn ihr eure Klasse auch für die Class Chats anmelden wollt, findet ihr hier unser Teilnahmeformular.

Class Chats Logo auf App Camps Hintergrund

Bei der Organisation des BO-Tages versuchen wir, dass vor allem Schülerinnen auch an den Modulen mit weiblichen Expertinnen teilnehmen.

Warum habt ihr euch mit eurer Klasse für die Class Chats angemeldet?

Adriana: Wir sind an unserer Schule sehr interessiert an einer möglichst vielseitigen Berufsorientierung. Innerhalb unserer BO-Teams kamen wir darauf, dass uns in der Welt der wachsenden Digitalität eigentlich explizit Informationen zu Berufen aus der digitalen Branche fehlten, weshalb wir den „Tag der digitalen Berufe“ ins Leben riefen.

Eine Kollegin stolperte dabei über eure Seite. Da Class Chats im Grunde ja einzeln stattfinden können, entwickelte sich so die Idee, mit eurer Hilfe mehrere aneinanderzureihen, um den benannten Tag (mit Vor- und Nachbereitung) daraus zu kreieren.

Robert: Unsere Schule hat sich vorgenommen, die berufliche Orientierung unserer Schülerinnen und Schüler noch intensiver zu unterstützen. Mit diesem Ziel entstand der Berufsorientierungstag (BO-Tag). An diesem Tag wählen die Schülerinnen und Schüler drei Module von jeweils 90 Minuten aus verschiedenen Angeboten, wobei in der 9. und 10. Klasse der Fokus auf dem Kennenlernen verschiedener Berufe und Berufsfelder liegt. Als Informatiklehrer war es mir wichtig, einen Einblick in die spannende Welt der IT anzubieten.

Wie habt ihr die Tage der Berufsorientierung vorbereitet? Was sind die Voraussetzungen? 

Adriana: Zunächst musste der Tag im Schuljahresplaner geblockt werden, sodass die Lerngruppen der entsprechenden Jahrgänge an diesem Tag keine Ausflüge oder Lernkontrollen planen. Dazu wurden die Klassenlehrer der Klassen zusätzlich benachrichtigt, um dies in ihren Klassenteams zu kommunizieren. Die Schulleitung musste für den Tag entsprechende Klassen und Räume ausplanen sowie Lehrer:innen zur Aufsicht der Gruppen einplanen. Natürlich gehörte dazu auch die Reservierung entsprechender Räume, wie der Aula und das Überprüfen der Technik.

Da der Tag der Berufsorientierung in meiner Verantwortung lag, erstellte ich einen Übersichtplan des Ablaufes und die Materialien für die Kids für die Zeit während der Class Chats. Inbegriffen natürlich die Fragen zur Vor- und Nachbereitung, sodass die Kolleg:innen den Tag lediglich durchführen müssen. Dabei stellte ich schnell fest, dass die Zeit des Kopierens und Portionierens für die Klassen nicht zu unterschätzen ist.

Ebenso kommt eine kurze Einweisung der Kolleg:innen dazu. Was ich persönlich noch wichtig fand und nicht vergessen werden darf, ist die Kommunikation und Vorbereitung der Gesprächspartner:innen, dass diese über den Ablauf etc. im Voraus informiert sind und auch am Tag selbst so nicht überrascht werden – beispielsweise über die Menge der Kids, die gleichzeitig in der Aula auf sie warten.

Robert: Da die Class Chats nur ein Teil des Angebots am BO-Tag sind, ist es natürlich in die gesamte Organisation des Tages eingebettet. Im Vorfeld erstelle ich einen kurzen Steckbrief zum jeweiligen Modul, in dem das Thema sowie der Name und Beruf des IT-Experten (falls bekannt) genannt werden.

Die Schülerinnen und Schüler treffen ihre Auswahl über unseren Schulserver. Da manche Angebote überlaufen sind oder manche Schüler:innen kein Angebot gewählt haben, werden diese dann noch Modulen zugewiesen. Die finale Gruppengröße liegt zwischen 17 und 22 Personen. Bei der Organisation versuchen wir, dass vor allem Schülerinnen auch an den Modulen mit weiblichen Expertinnen teilnehmen.

Auf Grundlage der Teilnehmerliste erstellen wir dann Teilnahmebescheinigungen für jede Schülerin und jeden Schüler, die anschließend ausgeteilt werden.

Die Vorbereitung für Class Chats sind sehr überschaubar. Nach den Anmeldungen für jedes Modul über das Onlineformular und der Terminfindung mit dem Experten ist nur wenig weitere Organisation notwendig, da unsere Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern bereits der Nutzung des schulischen Videokonferenzsystems zugestimmt haben. Die Videokonferenz findet in einem Raum mit interaktivem Whiteboard, Webcam und kabellosem USB-Mikrofon statt. 

Class Chat Präsentation

„Den Schüler:innen blieben meist Besonderheiten der persönlichen Werdegänge oder einzelne Aussagen im Kopf. Häufig beruhigte sie, dass die meisten keinen direkten Weg in den Beruf gefunden hatten und man sich im Laufe seiner Laufbahn lexibel umentscheiden kann, wenn die Faktoren passen.“

Wie habt ihr eure Schüler:innen vorbereitet?

Adriana: Unser erster Gedanke war, dass wir eine Einbettung der Class Chats benötigen. Die Schüler:innen wurden über den Ablauf des Tages – betreffend der benötigten Materialien – informiert, sodass sie entsprechendes Bücher etc. zuhause lassen konnten.

Als Vorbereitung haben wir mit ihnen eine Stunde vor dem ersten Class Chat eine Einführung ins Thema gemacht, in der sie sich mithilfe von Fragen bereits Gedanken zu digitalen Berufen, aber auch konkret den Berufen der Vortragenden machen sollten. Dies wurde im Klassenverband besprochen und diskutiert, um thematisch in Stimmung zu kommen.

Robert: Da die Schülerinnen und Schüler ihre Module frei wählen können, kennen sich viele Teilnehmende untereinander nicht und auch ich kenne sie nicht. Daher erfolgt nach der Klärung der Anwesenheit eine kleine Kennenlernrunde. Ich habe dafür eine Präsentation vorbereitet, auf der nacheinander mehrere Aussagen auftauchen. Zum Beispiel „Ich habe mein Praktikum in einem IT-Betrieb gemacht.“ oder „Ich habe schon mal etwas programmiert.“ Wenn sie der Aussage zustimmen stehen sie auf, wenn nicht setzen sie sich hin. Mit den aufgestandenen Personen führe ich dann ein kurzes Interview. So kommen wir ins Gespräch. Die letzte Aussage ist: „Unser Gesprächspartner ist [Name].“

Im Anschluss bereiten sich die Schüler:innen mithilfe der Materialien von Class Chats vor, indem sie sich zunächst selbst Fragen überlegen und diese anschließend miteinander diskutieren. Die Resultate werden dann an der Tafel notiert.

Hier ist es sehr unterschiedlich, einige Gruppen haben gleich viele Fragen, bei anderen gestaltet sich der Prozess eher zäh. Es hat sich aber gezeigt, dass während der Gespräche immer weitere Fragen entstehen. Für die gesamte Vorbereitung plane ich etwa 25 Minuten ein. Und dann startet das Gespräch, sobald der Experte plötzlich auf der Tafel erscheint.

Was blieb deinen Schüler:innen nach den Class Chats am meisten im Kopf?

Adriana: Die Rückmeldung nach den Tagen der Berufsorientierung sind jedes Mal komplett unterschiedlich und das schon allein von Klasse zu Klasse, die daran teilgenommen hat. Von „langweilig“ bis „sehr interessant“ gab es alle Abstufungen, was häufig mit den Vorerfahrungen und dem generellen Interesse des jeweiligen Jugendlichen zusammenhing.

Natürlichen spielten aber auch andere Faktoren, wie Funktionieren der Technik, Wetter und die Art der Class Chat-Partner eine große Rolle. Den Schüler:innen blieben meist Besonderheiten der persönlichen Werdegänge oder einzelne Aussagen im Kopf, was aber auch sehr individuell war. Häufig beruhigte sie, dass die meisten keinen direkten Weg in den Beruf gefunden hatten und man sich im Laufe seiner Laufbahn heutzutage flexibel umentscheiden kann, wenn die Faktoren passen.

Robert: Der Höhepunkt ist immer das Gespräch selbst. Ich habe ganz häufig von den Schüler:innen gehört, dass die es toll finden, dass erfahrene Experten aus hohen Positionen in Unternehmen sich die Zeit nehmen und sich so offen und zugewandt mit ihnen unterhalten. Das liegt aus meiner Sicht besonders daran, dass die Experten auch auf überraschende Fragen der Schülerinnen und Schüler eingehen.

Jeder Chat verläuft anders, in manchen Modulen sitzen eher zurückhaltende Schüler:innen, die sich nicht sofort trauen, Fragen zu stellen. Hier bin ich zu Beginn stärker gefragt, indem ich Aussagen aus der Kennenlernrunde oder vom Erstellen der Fragen ins Gespräch einbringe. In anderen Modulen greifen die Schülerinnen und Schüler sofort selbst zum Mikrofon, um ihre Fragen zu stellen.

Habt ihr im Anschluss an die BO-Tage noch darüber gesprochen?

Adriana: Es fand immer eine Nachbesprechung der Chats und des gesamten Tages statt. Dies wieder klassenintern, da wir uns davon versprachen, dass die Jugendlichen im bekannten Umfeld offener, ehrlicher und freier Rückmeldungen geben als im Plenum des ganzen Jahrgangs. Dabei geht es um Fragen wie: Was habt ihr über digitale Berufe gelernt? Welcher Class Chat hat euch am besten gefallen – wieso? Was nehmt ihr für euch persönlich mit?

Robert: Nach dem Gespräch sind meist noch so 10 bis 20 Minuten Zeit. Die wird dafür genutzt, um noch einmal über das Gespräch nachzudenken. Dafür nutze ich auch das Material von Class Chats. Insbesondere die Frage, was die Schülerinnen und Schüler im Gespräch überrascht hat, bespreche ich im Plenum. Dann fotografiere ich noch die Sternebewertung und Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler, um sie später dem Experten zusammengefasst zurückzusenden.

Ich habe ganz häufig von den Schüler:innen gehört, dass die es toll finden, dass erfahrene Experten aus hohen Positionen in Unternehmen sich die Zeit nehmen und sich so offen und zugewandt mit ihnen unterhalten.

Schülerinnen im Klassenraum

Gibt es etwas, dass du anderen Lehrkräften mitgeben möchtest?

Adriana: Ich würde jedem empfehlen, einen Class Chat auszuprobieren. Denn die Zusammenarbeit mit euch, als auch den Gesprächspartnern ist meist sehr unkompliziert und die ungefilterten Erfahrungen der Class Chats inspirieren einzelne Schüler:innen auf unterschiedliche Weise .

Robert: Ein kabelloses Mikrofon ist einfach toll. Kaum höre ich eine leise Frage der Schüler:innen und schon haben sie das Mikro in der Hand und können direkt die Frage stellen. Im Rahmen einer schulweiten Veranstaltung hat das Format durchaus seine Unberechenbarkeiten. So bin ich jedes mal froh, wenn ich für alle drei Module an dem Tag eine Zusage eines Experten habe. Doch hier muss ich dem Team hinter Class Chats ein Kompliment machen, es ist wirklich toll mit welchem Engagement nach Experten gesucht wird.

Auch die Gespräche selbst – mit mir zuvor unbekannten Gruppen von Schülerinnen und Schülern – sind immer voller Überraschungen. Vielleicht gerade deswegen sind die Gespräche so authentisch und bleiben mir stets sehr positiv in Erinnerung.

Was ist deiner Meinung nach der Schlüssel für wirkungsvolle Berufsorientierung an Schulen?

Adriana: Ich glaube, dass jede Schule den Spagat zwischen den Zielen der Schule und den individuellen Bedürfnissen der Schüler:innen jedes einzelnen Jahrgangs leisten muss, ohne dabei alle anderen Themen der Schulgemeinde einzuschränken. Berufsorientierung muss heutzutage immer vielfältiger und offener gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen und neuen Ansprüchen der Jugendlichen werden, was in dem häufig nur träge anpassbaren Schulsystem nicht immer einfach ist.

Robert: Im Bezug auf Class Chats würde ich sagen, dass es auch wichtig ist, dass ich als Lehrkraft selbst neugierig auf den Experten bin. So kann ich ein lebendiges Gespräch moderieren und den Schülerinnen und Schülern vermitteln, dass Berufsorientierung ein spannender und lebenslanger Prozess ist.

Danke euch beiden, für die detaillierten Einblicke in eure Tage zur Berufsorientierung.

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Portrait Anne Looks

Anne Looks ist studierte Medienwissenschaftlerin und hat lange in der Verlagsbranche gearbeitet. Ihre Leidenschaft ist digitale Produktentwicklung und New Learning. Bei App Camps entwickelt sie Unterrichtsmaterialien, veranstaltet Webinare und hin und wieder schreibt sie etwas, meistens für @app_camps auf Instagram.