Wir stellen vor:

Tonja | Studium: Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaft

Role Model Interview

Diana: Hallo Tonja! Schön, dass du heute beim Interview mitmachst! Vielleicht stellst du dich erst einmal vor. Wer bist du und was machst du?

Tonja: Hallo, ich bin Tonja und arbeite bei einem kleinen Startup aus Hamburg. Wir heißen App Camps und mein Job ist Projektleitung sowie das Entwickeln von digitalen Unterrichtsmaterialien.

Diana: Und was war dein Weg dorthin? Wie bist du dahin gekommen?

Tonja: Ich habe “Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaft” studiert. Das ist eine interessante Mischung aus Informatik und Psychologie. Außerdem habe ich während meines Studiums Übungsleitung gemacht und da dann natürlich auch schon überlegt, wie man Unterrichtsmaterialien aufbereiten kann.

Diana: Wie bist du damals auf diesen Studiengang gekommen oder warum hast du dich dafür entschieden?

Tonja:  Das war eigentlich mehr oder weniger Glückssache. Ich war mit einer Freundin beim Tag der offenen Tür an der Uni und dort wurde mein Studiengang vorgestellt. Den Studiengang fand ich sehr interessant. Psychologie sowieso und eine Affinität für Technik hatte ich auch schon immer. Nur hätte weder meine Familie noch ich zu dem Zeitpunkt gedacht, dass ich Informatik studieren würde und auch noch sehr viel Spaß daran habe.

Diana: Super! Was habt ihr denn im Studium so gemacht? Was waren denn so die Inhalte? Was kann man sich darunter vorstellen?

Tonja: Ganz unterschiedlich. Der Psychologie-Teil fängt an bei allgemeiner Psychologie, also: “Welche Gehirnareale gibt es?”, beinhaltet aber auch Sozialpsychologie wie zum Beispiel: “Wie interagieren Menschen untereinander?”. Man analysiert auch Studien, wie: “Was passiert, wenn wir bestimmte Farben sehen?”. Im Informatik-Teil haben wir viel objektorientierte Programmierung gemacht und Anwendungen programmiert. 

Diana: Du hattest ein ganz spannendes Bachelor-Projekt, vielleicht kannst du dazu ganz kurz was erzählen?

Tonja: Klar. Für meine Abschlussarbeit habe ich ein Virtual-Reality-Spiel für die Oculus Rift entwickelt. Das ist eine VR-Brille. Die setzt man auf und dann sieht man alles in 3D. Das ist total abgefahren! Das Spiel habe ich in vier verschiedenen Varianten entwickelt. Mit einer Studie habe ich danach untersucht, wie es ist, im Liegen zu spielen. Der Anwendungskontext war, ein Spiel zu erschaffen, das Leute nutzen können, die beispielsweise im Krankenhaus sind und sich nicht bewegen können. Deswegen habe ich in zwei Spielversionen auch Atemtechniken integriert. Atemübungen müssen bettlägerige Patienten sowieso machen, um die Muskulatur aufrechtzuerhalten.

Diana: Klingt richtig spannend! Wenn du dich jetzt so zurückerinnerst an dein Studium, was hat dir mit am besten gefallen?

Tonja: Also an meinem Studium generell hat mir vor allem im Vergleich zur Schule gefallen, dass es sehr viel freier war und, dass man sich die Zeit selbst einteilen konnte. Natürlich ist ein Studienverlauf – besonders wenn man den Vergleich zu früher hat – ein bisschen stärker vorgegeben, aber man kann eben trotzdem zwischen verschiedenen Fächern wählen und hat die Möglichkeit, sich in manchen Gebieten stärker zu vertiefen.

Diana: Als du dich entschieden hattest für Ausbildung oder Studium, hattest du noch andere Optionen? Dachtest du, wenn dieses eine Fach nicht klappt, dann machst du vielleicht X oder Y? Oder war das dann ziemlich klar, nachdem du dieses Fach kennengelernt hattest?

Tonja: Ich interessiere mich tendenziell für viele verschiedene Sachen. Bei meiner Ausbildungswahl hatte ich keine konkreten Alternative, die ich auf jeden Fall gemacht hätte. Also nein, nicht wirklich.

Diana: Jetzt noch mal zurück zu deinem aktuellen Beruf. Was gefällt dir daran besonders gut?

Tonja: Mir gefällt besonders gut, dass ich das Gefühl habe, einen Mehrwert zu schaffen. Unsere Unterrichtsmaterialien erreichen Kinder und Jugendliche in Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch überall auf der Welt. Ich finde es schön, wenn die Kinder etwas lernen. Noch viel schöner finde ich es, wenn ich sie inspirieren kann und sie Spaß an der Sache haben.

Diana: Welche Themen hast du denn schon entwickelt? Du hast ja schon einiges gemacht.

Tonja: Also angefangen habe ich mit einem Kurs zum Thema Datenbanken und der Datenbanksprache SQL. Dann habe ich einen Kurs zu Python entwickelt . Das ist eine textbasierte Programmiersprache, die wirklich sehr einsteigerfreundlich ist, aber trotzdem sehr mächtig. Das ist total schön. Ansonsten habe ich zum Beispiel etwas zu Scratch und dem Mikroprozessor Calliope mitentwickelt. Den Calliope können schon relativ junge Kids programmieren. Eigentlich ziemlich cool! Zuletzt habe ich zu Künstlicher Intelligenz einen Kurs entwickelt, der bald veröffentlicht wird. Das Thema macht mir persönlich sehr viel Spaß. Da habe ich auch an der Uni bereits Übungsleitung zu gemacht. Aktuell arbeite ich noch an einem großen Projekt und zwar Informatik Grundlagen für den Unterricht in Klasse Sieben.

Diana: Klingt auf alle Fälle abwechslungsreich! Hattest du früher, als du 12 / 14 / 16 Jahre alt warst, einen bestimmten Berufswunsch? Oder warst du da immer ganz offen und hast einfach gesagt, du guckst dann, wenn es soweit ist?

Tonja: Also als Kind war es schon so, dass ich Arzt ganz spannend fand. Da ist mir nur relativ schnell in die Quere gekommen, dass ich weder mit Nadeln gut klar komme, noch mit Blut. Das ist dann in der Regel nicht ganz so gut… Ich fand Innenarchitektur eine Zeit lang ganz spannend. Mir ging es allerdings nicht wie manch anderen, die von klein auf wissen, was sie werden möchten.

Diana: Es heißt ja immer, man lernt ein Leben lang. Gibt es etwas, das du gerade lernst?

Tonja: Ich habe ein großes Projekt, das gar nicht so greifbar ist. Und zwar “Achtsamkeit”. Ich möchte lernen, auf mich selbst zu hören, zum Beispiel darauf was mir wirklich wichtig ist. Ansonsten lerne ich bei kleinen Projekten. Ich muss gestehen, dass es mir zwischen Vollzeit arbeiten, Sport und Alltag manchmal nicht ganz so leicht fällt, ein großes Projekt anzufangen. Aber bei kleinen Projekten lernt man natürlich auch immer ganz viel. Da überlegen mein Freund und ich zum Beispiel gerade, wie wir unser Auto ausbauen können, damit wir das zum Camper machen. Dazu müssen wir uns ein Konzept überlegen und das natürlich auch umsetzen. An sowas habe ich auf jeden Fall auch immer sehr viel Spaß.

Diana: Schön! Gibt es irgendwas, das du gern lernen würdest, wenn du ganz viel Zeit hättest?

Tonja: Das Letzte knüpft daran eigentlich ganz gut an. Ich habe Spaß an handwerklichen Tätigkeiten und würde da gern noch etwas mehr lernen. Fachlich würde ich mich tatsächlich auch sehr gern noch weiterentwickeln. Also ein bisschen mehr noch programmieren und mehr Erfahrungen in diesem Bereich sammeln.

Diana: Wenn du jetzt zurückblickst und nochmal an deine Zeit in der Schule denkst, mit dem Wissen, das du jetzt hast, welche Empfehlungen oder Tipps würdest du dir jetzt als Schülerin geben?

Tonja: Mir persönlich als Schülerin würde ich tatsächlich ein bisschen Selbstsicherheit mitgeben. Das heißt, Vertrauen darein, dass man auch Sachen selbst herausfinden kann. Wenn man etwas nicht versteht, dann einfach zu hinterfragen, was verstehe ich daran nicht. Das herauszufinden und dann hat man entweder etwas dazugelernt oder unter Umständen – und das kommt auch gar nicht selten vor – irgendwie entdeckt, dass das gar nicht stimmt, was da steht oder gesagt wurde. Also einfach Selbstsicherheit und nicht zu denken: ach ne, verstehe ich einfach nicht.

Diana: Gibt es noch irgendwas, das du den Schülerinnen und Schülern von heute mitgeben würdest?

Tonja: Wenn ihr etwas habt, was euch interessiert, dann bleibt da dran! Rockt das und zieht das durch!

Diana: Okay Tonja, vielen Dank für das Interview! Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe, dir auch.

Tonja: Danke dir, Diana!

Eine ausführliche Version des Interviews gibt es hier: